Frauen für Europas Zukunft: Zwei Tage voller Ideen, Energie und Lust auf Politik

Wie kommen mehr Frauen dorthin, wo politische Entscheidungen getroffen werden? Und was kann Europa dazu beitragen?
Diese Fragen standen im Zentrum unserer Tagung "Frauen für Europas Zukunft – lokal handeln, Politik gestalten", die FidiP gemeinsam mit der Akademie für Politische Bildung in Tutzing und mit Unterstützung des Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments München am 25. und 26. September 2026 veranstaltet hat.
Für FidiP war diese Tagung ein Herzensprojekt: von uns initiiert, inhaltlich maßgeblich mitentwickelt – und getragen von der Überzeugung, dass Europa mehr Frauen braucht, die Verantwortung übernehmen.
Schon beim Ankommen war spürbar: Hier würde es nicht nur um Strategiepapiere und Institutionen gehen. Der lichtdurchflutete Seminarraum mit Blick ins Grüne, viele politisch engagierte und politisch neugierige Frauen, intensive Gespräche schon beim ersten Kaffee – all das schuf eine Atmosphäre, in der schnell etwas entstand, das sich nur schwer in ein Programm schreiben lässt: Aufbruchsstimmung.
Nach der Begrüßung durch Dr. Giulia Mennillo von der Akademie für Politische Bildung und Sabine Appelhagen, Präsidentin von FidiP, führte Dr. Helga Lukoschat, Vorstandsmitglied und Senior Advisor der EAF Berlin, direkt zum Kern der Tagung.
Unter dem Titel "Warum Frauenrechte ein starkes Europa brauchen" spannte sie den großen Bogen zwischen Gleichstellung, Demokratie und politischer Repräsentation. Ihre Botschaft machte deutlich: Frauenrechte sind kein Spezialthema. Sie gehören ins Zentrum der Frage, wie stark, demokratisch und zukunftsfähig Europa sein kann.
Direkt anschließend rückte Maria Jose Landeira Oestergaard von der European Women’s Lobby die neue europäische Gleichstellungsstrategie in den Mittelpunkt. Ihr Beitrag "From strategy to power: Turning the EU Gender Equality Strategy into women’s political participation" stellte die entscheidende Frage: Wie wird aus einer Strategie auf dem Papier tatsächliche politische Macht und Repräsentation?
Genau diese neue EU Gender Equality Strategy 2026–2030 bildete den politischen roten Faden der gesamten Tagung. Sie formuliert ambitionierte Ziele für Gleichstellung und politische Teilhabe. Für uns bei FidiP war aber vor allem wichtig, einen Schritt weiterzugehen: Was muss passieren, damit diese Ziele bei Frauen vor Ort ankommen?
Mit Anna Riecken von der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union kam anschließend die Perspektive aus dem Herzen europäischer Entscheidungsprozesse hinzu. In ihrem Vortrag "Die EU als Impulsgeberin für mehr Gleichstellung in Europa" ging es um die spannende Schnittstelle zwischen Brüssel und den Mitgliedstaaten: Welche Impulse kann Europa setzen – und wo müssen nationale Politik, Parteien und Institutionen selbst handeln?
Am späten Nachmittag kamen diese drei Perspektiven in der Podiumsdiskussion "Mehr Frauen an den Tisch! – Wie Europas Frauen die Politik von morgen gestalten" zusammen.
Dr. Helga Lukoschat, Maria Jose Landeira Oestergaard und Anna Riecken diskutierten mit Dr. Giulia Mennillo und Sabine Appelhagen darüber, warum politische Gleichstellung trotz jahrzehntelanger Debatten so langsam vorankommt, welche Erfahrungen wir aus anderen europäischen Ländern und Institutionen nutzen können – und wo Europa tatsächlich Hebel besitzt.
Dabei ging es nicht darum, bekannte Probleme ein weiteres Mal aufzuzählen. Im Zentrum standen vielmehr die Fragen: Was können wir lernen? Was lässt sich übertragen? Und was können Frauen, Parteien und Institutionen konkret tun?
Ein Satz von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zog sich dabei wie ein Motto durch den Tag:
Für FidiP liegt die Konsequenz auf der Hand: Dann müssen Frauen auch dort sein, wo entschieden wird.
Nach so viel institutioneller und struktureller Politik wechselte am Abend die Perspektive. Carolin Isabel Hochstrat von The Democratic Spin zeigte unter der augenzwinkernden Überschrift "Was macht eine EU-Influencerin?", dass Europa längst auch in Reels, Stories und Feeds stattfindet.
Wie erreicht europäische Politik besonders junge Menschen? Wie erzählt man komplexe Themen verständlich, ohne sie zu vereinfachen? Und welche Rolle können Creatorinnen für eine europäische Öffentlichkeit spielen? Der Abend zeigte: Politische Teilhabe braucht nicht nur Institutionen. Sie braucht Sichtbarkeit, Sprache und Geschichten, die Menschen erreichen.
Am Samstagmorgen rückte die Tagung Europa ganz bewusst näher heran.
Unter dem Titel "Europa vor der Haustür" zeigten Birgit Boeser von der Europäischen Akademie Bayern und Sara Hoffmann-Cumani, EU-Beauftragte des Stadtrates Garching, wie viel Europa längst in unseren Städten und Gemeinden steckt.
Das Programm EuropaGemeindeRäte Bayern und das Netzwerk "Europa fängt in der Gemeinde an" machten deutlich: Kommunalpolitikerinnen können wichtige Brückenbauerinnen sein. Sie können europäische Themen konkret machen, Fördermöglichkeiten nutzen und vor Ort erzählen, was Europa ganz praktisch mit dem Alltag der Menschen zu tun hat.
Cosima Barón Fernández de Córdoba vom Verbindungsbüros des Europäischen Parlaments München arbeitete danach im Workshop "Demokratie beginnt bei mir: Wie ich persönlich Europa und unsere Demokratie stärken kann" mit den Teilnehmerinnen an der eigenen Rolle und den ganz persönlichen Möglichkeiten, Demokratie und Europa mitzugestalten.
Nach dem Mittagessen ging es um eine Frage, die FidiP besonders wichtig ist: Wie finden Frauen überhaupt ihren Weg nach Europa? Denn politische Teilhabe beginnt manchmal mit einem ganz einfachen Gedanken:
In zwei parallelen Workshops konnten die Teilnehmerinnen das Gehörte in konkrete Handlungsmöglichkeiten übersetzen.
Cosima Barón Fernández de Córdoba vom Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments München stellte unter der Überschrift "Karrierewege nach Europa" konkrete Zugänge zu europäischen Institutionen vor. Dabei ging es nicht nur um formale Wege, sondern auch um Netzwerke, Erfahrungen und den Mut, solche Möglichkeiten überhaupt für sich selbst in Betracht zu ziehen.
Parallel dazu zeigte Birgit Boeser von der Europäischden Akademie Bayern unter dem Titel "EU-Förderprogramme für Gemeinden", welche Chancen europäische Programme für Kommunen bieten und wie daraus Projekte vor Ort entstehen können.
In der Abschlussrunde wurde noch einmal deutlich, wie eng die drei großen Perspektiven dieser Tagung miteinander verbunden sind:
Karrierewege nach Europa. Parität und Europa als Hebel. Europa vor der Haustür.
Mehr Frauen in politischer Verantwortung braucht Frauen, die sich auf den Weg machen. Es braucht Institutionen und Parteien, die ihre Strukturen verändern. Und es braucht Menschen, die Europa vor Ort sichtbar und lebendig machen.
Ein heller Raum voller Gespräche. Frauen, die Telefonnummern und Erfahrungen austauschten. Diskussionen, die in den Pausen weitergingen. Neue Kontakte, neue Ideen – und immer wieder dieser Eindruck: Da ist Energie. Da ist Neugier. Da ist Lust, weiterzumachen.
Europa lebt von seinen Bürgerinnen und Bürgern. Und Europa wird dort stark, wo Menschen es nicht als etwas Entferntes betrachten, sondern selbst Verantwortung übernehmen.
Für uns bei FidiP bedeutet das ganz konkret:
Wir wollen mehr Frauen ermutigen, politische Räume zu betreten. Wir wollen Wissen und Netzwerke zugänglich machen. Und wir wollen dazu beitragen, dass Frauen nicht nur mitreden – sondern mitentscheiden.
Diese zwei Tage in Tutzing haben gezeigt, wie viel entstehen kann, wenn starke Frauen, gute Ideen und echte Begegnungen zusammenkommen.
Und wir sind gekommen, um mitzugestalten.

